Das Zwei-Wege-Modell zeigt die Wege zu Schreibung eines Wortes.

Zwei-Wege-Modell nach Scheerer-Neumann (2015) (Grafik leicht verändert)

Zwei-Wege-Modell

Das Modell zeigt zwei Wege, über die eine Schreibung erfolgen kann.

Direkter Weg

Wörter können auf dem direkten Weg aus dem mentalen orthografischen Lexikon abgerufen werden. Es handelt sich dabei nicht um das Abrufen einer reinen Grafik, eines Wortbildes, sondern die wortspezifischen Graphemfolgen sind eng mit den jeweiligen phonologischen und orthografischen Strukturen verknüpft (Scheerer-Neumann, 2015).

Indirekter Weg

Beim indirekten Weg wird die Schreibung von Wörtern konstruiert. Der Schreiber nutzt neben Phonem-Graphem-Korrespondenzen auch silbische Strukturen und Rechtschreibregeln, je nach Leistungsstand. Schreibanfänger sprechen oft silbenweise beim Schreiben mit, beobachten kann man das am Bewegen der Lippen. Das „Mitsprechen“ erfolgt teils ganz leise.
„Beim Schreiben eines Wortes interagieren beide Wege, wobei der lexikalischen Information Priorität zukommt, d.h. eine gelernte Ausnahmeschreibung dominiert die Konstruktion wie bei <Rheuma> vs. <Reuma>“ (Scheerer-Neumann, 2015).

Scheerer-Neumann (2014) beschreibt eine eigene Untersuchung zum Zwei-Wege-Modell. Mit den Schülern wurden Rechtschreibregeln erarbeitet, die Schüler wandten die Regeln an entsprechenden Wörtern an. Bei den so geübten Trainingswörtern gab es eine Verbesserung von 38% gegenüber dem Eingangstest.

Werden aber auch nicht geübte Wörter, die anhand derselben Regeln geschrieben werden können, nach dem Lernen der Regeln richtig geschrieben? Erfolgt also ein Transfer? Bei den Transferwörtern lag die Verbesserung bei 28%.
Scheerer-Neumann empfiehlt, beide Wege zu benutzen, also „Wörter, die mit Hilfe einer Regel korrekt geschrieben werden können, auch wortspezifisch zu üben.“ Damit entspricht das Lernangebot sowohl den Schülern, die lieber anhand von Regeln lernen also auch denen, die eher lexikalisch lernen.

Trainingsmethoden

Das Programm GUT1 trainiert bei den Grundwortschätzen und den schwierigen Wörtern den direkten Weg. Alle noch nicht beherrschten Wörter werden direkt im orthographischen Lexikon gespeichert. Dabei müssen aber nicht hunderte Wörter immer wieder geübt werden. Das Programm trainiert speziell die Wörter, die noch nicht beherrscht werden, die bereits gekonnten müssen ja nicht nochmals gelernt werden.
Das Wortbau-Training übt den Transfer von Wortstämmen auf weitere Wörter. Wortstämme werden grundsätzlich gleich geschrieben. Wird z.B. der Wortstamm fahr beherrscht, kann er anhand von Regeln auf weitere Wörter übertragen werden: fahren, abfahren, verfahren, befahrbar, Fahrer, Fahrzeug, Schifffahrt.