Rechtschreibtraining für Klasse 2-6
Karteikarten
Zu allen falsch geschriebenen Wörtern werden individuelle Karteikarten geschrieben. Auf den Kärtchen steht das falsch geschriebene Wort und ein zugehöriger Satz. 
Das Lernen mit der Lernkartei
Das Lernen erfolgt mit einer Kartei im Format DIN A 8. Alle neuen Kärtchen kommen ins erste Fach. 
Beim Lernen werden die Kärtchen in Partnerarbeit diktiert. Alle richtig geschriebenen Kärtchen kommen ins jeweils nächste Fach, alle falsch geschriebenen immer zurück ins erste. 
Auf diese Weise wandern die Kärtchen von Fach zu Fach, bis sie nach 2-4 Monaten aus der Kartei genommen werden können. Die Wörter wurden fünfmal in sich verlängernden Intervallen richtig geschrieben. Sie sind sicher im Langzeitgedächtnis gespeichert.
Die Lernmethode
Lernen der häufigsten Wörter
Die Basis des Lernens bildet der Grundwortschatz. Bei seiner Erstellung sind mehrere Aspekte zu beachten: Ein Grundwortschatz muss die häufigsten Wörter enthalten und die wichtigsten Rechtschreibfälle repräsentieren. Zudem ist die Fehlerträchtigkeit einzelner Wörter zu berücksichtigen.
Der Gebrauch der einzelnen Wörter unserer Sprache ist degressiv. Einige Wörter verwenden wir häufig, andere selten und den größten Teil fast nie. Mit den 100 häufigsten Wörtern erreicht man eine Textdeckung von über 50%, mit den 400 häufigsten Grundformen kann unter Beachtung von Transfer-Regeln - durch Übertragung dieser Grundformen auf weitere Wörter - bereits 80% abgedeckt werden. Ein Grundwortschatz soll deshalb die Wörter umfassen, die in unserer Sprache am häufigsten vorkommen. Durch das Beherrschen dieser Wörter lassen sich die Fehlerzahlen in relativ kurzer Zeit erheblich reduzieren.
Transfer von Wortstämmen
Es wäre aber in keiner Weise ökonomisch und nicht sinnvoll die Schreibung von Tausenden von Wörtern einzeln lernen zu wollen. Aufbauend auf den sicher gespeicherten Grundlagen erfolgt ein Transfer. Der Schüler lernt im Grundwortschatz z.B. das Wort spielen mit ie zu schreiben und überträgt den Wortstamm auf abspielen, zuspielen, mitspielen, das Spiel, der Spieler, Spielfeld, Spielzeug usw.
Das Lernen der wichtigsten Rechtschreibfälle und deren Transfer
Ein Grundwortschatz muss gleichzeitig die wichtigsten Rechtschreibfälle enthalten, so dass ein Transfer auch über Rechtschreibregeln ermöglicht wird. Lernt ein Schüler an Beispielwörtern des Grundwortschatzes wie versuchen, verkaufen, verdienen, verlaufen das Präfix ver- mit v zu schreiben, so kann er diese Schreibweise auf weitere Wörter übertragen: vermuten, verbummeln, verwerfen.
Das Lernen fehlerträchtiger Wörter
Sehr fehlerträchtige Wörter sind in den Grundwortschatz mit aufzunehmen, sofern sie eine hinreichende Häufigkeit besitzen. In der Fehleranalyse von Menzel (1985), er analysierte Fehler in Aufsätzen, machten die 120 häufigsten Fehlerwörter 31.4% aller Fehler aus. Durch ein Beherrschen dieser 120 fehlerträchtigen und häufig vorkommenden Wörter könnte also in Aufsätzen und in sonstigen Texten etwa 1/3 der Fehler vermieden werden.
Das Ermitteln des individuell nicht beherrschten Teils des Grundwortschatzes
Der Schüler muss nicht den ganzen Grundwortschatz neu lernen. Viele Wörter bereiten keine Schwierigkeiten und wurden bereits sicher gespeichert. Beispielsweise werden in 5. Klassen der Hauptschule beim Wortschatz 1000 durchschnittlich etwa 150 Wörter falsch geschrieben. Allerdings bestehen große individuelle Unterschiede. Die Fehlerzahlen reichen von etwa 30 bis über 300.
Beim vorliegenden Training lernt jeder Schüler den Teil des Grundwortschatzes, den er nicht kann. Um die individuell nicht beherrschten Wörter auf ökonomische Weise zu erfassen, werden alle Wörter des Grundwortschatzes in Form von Listen diktiert. Pro Satz schreibt der Schüler jeweils nur ein Wort, die dauernde Wiederholung von Häufigkeitswörtern entfällt. Die Einkleidung der Wörter in Sätze hilft bei der Entscheidung über Groß- und Kleinschreibung und legt die Bedeutung der Wörter fest (arm - Arm, ist - isst).
Der Lehrer testet nun im Laufe von ein bis zwei Schuljahren anhand der Listen die Beherrschung des gesamten Grundwortschatzes. Er diktiert jeweils den ganzen Satz mit dem spezifischen Wort und dann nochmals das spezifische Wort. Bei Bedarf erfolgt eine Wiederholung.

Beispiel:   Wir bauen ein Haus.    bauen

Unter Beachtung des Schreibtempos der langsameren Schüler ist dieses Diktierverfahren ausreichend. Bei älteren Schülern reicht es meist den ganzen Satz einmal zu diktieren. Je nach Klassenstufe und Leistungsfähigkeit können ein bis drei Diktatlisten in einer Unterrichtsstunde geschrieben werden.