Aufbau von Grundwortschätzen

Bei der Erstellung sind mehrere Aspekte zu beachten:
Ein Grundwortschatz muss die häufigsten Wörter enthalten, diese Wörter müssen gleichzeitig die wichtigsten Rechtschreibfälle repräsentieren. Zudem ist die Fehlerträchtigkeit einzelner Wörter zu berücksichtigen.
Das Lernen der häufigsten Wörter
Der Gebrauch der einzelnen Wörter unserer Sprache ist degressiv. Einige Wörter verwenden wir häufig, andere selten und den größten Teil fast nie. Mit den 100 häufigsten Wörtern erreicht man eine Textdeckung von über 50%, mit den 400 häufigsten Grundformen kann unter Beachtung von Transfer-Regeln - durch Übertragung dieser Grundformen auf weitere Wörter - bereits 80% abgedeckt werden. Ein Grundwortschatz soll deshalb die Wörter umfassen, die in unserer Sprache am häufigsten vorkommen. Durch das Beherrschen dieser Wörter lassen sich die Fehlerzahlen in relativ kurzer Zeit erheblich reduzieren. Besonders für rechtschreibschwache Kinder ist das Lernen des Grundwortschatzes wichtig.

Der Transfer über Wortstämme
Es wäre aber in keiner Weise ökonomisch und nicht sinnvoll die Schreibung von Tausenden von Wörtern einzeln lernen zu wollen. Aufbauend auf den sicher gespeicherten Grundlagen, dem Grundwortschatz, erfolgt ein Transfer.
Der Schüler lernt im Grundwortschatz z.B. das Wort spielen mit ie zu schreiben und überträgt den Wortstamm auf abspielen, zuspielen, mitspielen, das Spiel, der Spieler, Spielfeld, Spielzeug usw.

Das Lernen der wichtigsten Rechtschreibfälle und deren Transfer
Ein Grundwortschatz muss gleichzeitig die wichtigsten Rechtschreibfälle enthalten, so dass ein Transfer auch über Rechtschreibregeln ermöglicht wird. Lernt ein Schüler an Beispielwörtern des Grundwortschatzes wie versuchen, verkaufen, verdienen, verlaufen die Vorsilbe ver- mit v zu schreiben, so kann er diese Schreibweise auf weitere Wörter übertragen: vermuten, verbummeln, verwerfen. Die Schüler lernen anhand der ihnen bekannten und von ihnen orthographisch beherrschten Wörter des Grundwortschatzes die wichtigsten Regeln und transferieren die Schreibungen auf weitere Wörter.

Das Lernen fehlerträchtiger Wörter
Sehr fehlerträchtige Wörter sind in den Grundwortschatz mit aufzunehmen, sofern sie eine hinreichende Häufigkeit besitzen. In der Fehleranalyse von Menzel, er analysierte Fehler in Aufsätzen, machten die 120 häufigsten Fehlerwörter 31.4% aller Fehler aus. Durch ein Beherrschen dieser 120 fehlerträchtigen und häufig vorkommenden Wörter könnte etwa 1/3 der Fehler vermieden werden. In einer eigenen Untersuchung an 37.000 Fehlern entfielen auf die 346 fehlerträchtigsten Wörter 52,9% aller Fehler.

Die Methoden ergänzen sich gegenseitig
Der Grundwortschatz bildet die Basis. Aus den sicher gelernten Wörtern des Grundwortschatzes wird durch Transfer ein Vielfaches an orthographisch beherrschten Wörtern. Im Grundwortschatz sind gleichzeitig die wichtigsten Rechtschreibfälle enthalten, so dass durch Übertragung von Rechtschreibfällen ein weiterer großer Bereich orthographisch erschlossen wird. Wichtige fehlerträchtige Wörter werden nicht über komplizierte Regeln gelernt; hier ist ein wortweises Lernen schneller und erfolgreicher.